European Coastal Championships 2026 – La Línea de la Concepción, Spanien
Montag – Anreise
Bereits am Montag ging es für mich los zur Coastal EM. Von Hamburg über Zürich, wo ich mich mit Franzi getroffen habe, nach Malaga, wo wir dann Tessa aufgesammelt haben und dann mit dem Auto nach La Línea. Nach der nicht gerade unstressigen Anreise, bei der ich mir nicht sicher war am selben Tag noch anzukommen, sind wir am späten Nachmittag an der Unterkunft gemeinsam angekommen.
Nach einem kleinen Spaziergang durch die Innenstadt und einem italienischen Abendessen ging der Anreisetag auch zu Ende.

Dienstag – aus drei macht vier
Am Vormittag kam Johanna an. Gemeinsam ging es an den Strand aka Regattaplatz, um uns zu akkreditieren und den Beach Sprint Teilnehmenden beim Training zuzuschauen. Bei der abendlichen Essenssuche hatten wir ein perfektes Timing und standen zufällig pünktlich vor der richtigen Tür zu einem Tapas-Restaurant und ergatterten noch einen Platz. Hier ließen wir es uns ordentlich gut gehen und bestellten quer durch die Karte.
Mittwoch – wir sind vollständig – erstes Training

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kam dann auch unsere Steuerfrau Tiannah an und somit waren wir komplett. Es ging direkt “früh” aus dem Bett. Um 10:00 Uhr stand das erste Training an. Davor hieß es jedoch noch herauszufinden, welches Boot uns zugelost wurde, ob alles vorhanden und heil ist am Boot und die Skulls mussten eingestellt werden. Zudem mussten noch alle Mannschaften an einer “Beach Orientation“ teilnehmen. Dort wurde uns kurz und knapp erklärt, dass wir uns auf dem Strand befinden, auf dem Wasser der Trainingskurs ausgelegt ist, keine gefährlichen Tiere im Wasser sind und nach ca. 2m im Wasser eine Kante kommt, bei der es tiefer ins Wasser geht. Danach durften wir das Boot ins Wasser bringen und die angekündigte Kante wurde direkt ausprobiert. Aus Wadentiefen Wasser stand man abrupt hüft- bis bauchnabeltief im Wasser – ein einsteigen ins Boot wurde dadurch etwas herausfordernder.
Mit einem Trainingsslot von 90 Minuten lernten wir erstmals die Wasserbedingungen kennen, denn das Mittelmeer ist schon was anderes als die Ostsee. Zudem hatten wir bereits am Morgen einiges an Wind. Zur Mittagspause ging es zurück in die Unterkunft für ein kleines Mittagessen und einen Powernap, denn am Nachmittag hatten wir noch einen zweiten Trainingsslot. Um 15:00 Uhr ging es für uns wieder auf’s Wasser, der Wind hatte in der Zeit deutlich zugenommen. Kurz noch bei den Timetrails der Beachsprinter zugeschaut, machten wir uns daran, die ersten “Renn-Simulationen” um die Bojen zu fahren und uns mit den Windverhältnissen zurechtzufinden. Als es für uns vom Wasser ging, kam auch direkt die Nachricht „Further Training Sessions Cancelled”, der Wind und die Wellen wurden zu stark – die Sicherheit der Sportler draußen auf dem Wasser konnte nicht sichergestellt werden. Abends ging es noch mit den anderen Deutschen in die nächste Tapas Bar.

Donnerstag – letztes Training
Am Donnerstag ging es morgens wieder aufs Wasser für die letzte Trainingseinheit. Nach Startübungen und letzten Absprachen fühlten wir uns gut vorbereitet und schauten freudig auf das Rennen am Samstag. Der Nachmittag wurde für einen Strandspaziergang genutzt und die Gegend wurde weiter erkundet. Abends ging es dann noch einmal in das Tapas-Restaurant vom Dienstag – die Essensmöglichkeiten waren bereits ausgeschöpft.
Freitag – Off day

Noch einmal ausschlafen und dann geht es los. Am Freitag fanden bereits die ersten Vorläufe statt. Mit 15 gemeldeten Booten war es bei uns im Frauen Vierer nicht nötig einen Vorlauf zu fahren, weshalb wir den Freitag frei hatten und die Füße hochlegen konnten. Unsere Steuerfrau ging vormittags eine Runde laufen, ein Teil ging schwimmen und der andere Teil blieb in der Unterkunft und entspannte beim Livestream schauen der Vorläufe. Nachmittags ging es dann das erste Mal rüber nach Gibraltar – very british! Die Teamfotos für den Instagram Kanal wurden noch geschossen und die Pasta Party durfte auch nicht fehlen.
Samstag – FINALE!
Und dann ging es auf einmal los. Unser Saisonfinale stand an. Bereits beim Frühstück merkte man die Anspannung. So fokussiert haben wir die letzten Tage nicht gegessen. Gemeinsam ging es an den Strand, mit genug Zeit wurde das Material noch mal geprüft, Tiannah auf die Waage geschickt und nachgewiesen, dass wir auch wirklich die Personen sind, die gemeldet wurden. Das ein oder andere T-Shirt wurde bereits getauscht und dann ging es aufs Wasser. Im Warm-up-Bereich sammelten sich nach und nach alle 15 Boote und die ersten Blicke wurden ausgetauscht. An der Startlinie ging drei Minuten vor der Startzeit das erste offizielle Signal, ab jetzt heißt es nicht mehr über die Startlinie kommen, ansonsten gibt es eine Zeitstrafe. Noch zwei Minuten, vielleicht hätte ich vorher noch mal auf die Toilette gehen sollen – letzte Minute läuft und dann ging das Starthorn – Sprinten! Nur 900 Meter bis zur ersten Boje, gute Position finden, um die Boje besser zu bekommen. Links Gegnerinnen, rechts Gegnerinnen – Überall Skulls, wie Fischgreten alles verwoben, Stimmengewirr von den Steuerleuten.
“Ej Germany” und dann ist es passiert, Skullbruch bei dem Boot aus Irland, Silbermedaillen Gewinnerinnen von 2025, unsere Skulls haben gehalten. Die erste Boje wirkte wie ein Fiebertraum und dann kam der Gegenwind, 612 Meter bis zur nächsten Boje. Die Beine schmerzten, die Lunge brannte und wir hatten noch gute 5 KM vor uns. Weiterhin mitten im Getümmel kämpften wir uns durch die Wellen. – Boje Back in 3,2,1, wieder überziehen, Schlag verkürzen, Boot anschieben – nur 50 Meter zur nächsten Boje – wo kommen die ganzen Boote denn her? Es war eng, es waren wieder überall Skulls und plötzlich hingen wir mit einem spanischen Boote zusammen, jetzt war Johannas Skulls gefährlich durchgebogen, er hat zum Glück gehalten. Kurzer Schubser fürs gegnerische Boot, damit wir uns lösen können. Weiter geht’s, 273 Meter bis zur nächsten Boje, Rückenwind, sauber hebeln, und die BEINE! Sauber gesteuert, jetzt wurde es zäh. Immer wieder im Zweikampf mit dem Spanischen Boot oder dem Boot aus Dänemark und wir konnten uns nicht lösen. Es ging in die zweite Runde der Strecke und wir hatten gut zu Kämpfen, Wellen, Windböen, das spanische Boot welches Zick Zack fuhr. Wir kamen einfach nicht vorbei. Jede Wende hingen wir ineinander, dabei konnten wir uns endlich von den Däninnen lösen. Im Endspurt versuchten wir uns noch mal an die Spanierinnen heran zu kämpfen, die Kräfte waren aufgebraucht. Und so kamen wir als 10tes Boot ins Ziel.
Wie auch letztes Jahr hat das Los entschieden, dass wir unser Boot auf die Waage bringen müssen, ähnlich wie bei den Dopingkontrollen, wird auch das Material überprüft. 129,5 kg, 500 g zu leicht. Fassungslosigkeit – am Ende ist jede Mannschaft dafür verantwortlich, das Gewicht des Bootes zu prüfen. Wir haben es dieses Jahr nicht getan. Nicht nur körperlich ein schmerzhaftes Rennen.
Das lassen wir so nicht stehen und greifen nächstes Jahr wieder an! Die Weltmeisterschaft ist bereits ausgeschrieben, auf den Austragungsort für die EM warten wir noch. Wir werden beides nächstes Jahr mitnehmen!

v.li.n.r. Tiannah Ersten Kieler Ruder- Club von 1862, Johanna Akademischen Ruderverein Kiel (inzwischen auch Mitglied im RCB), Tessa Bremer Ruder- Club HANSA, Sarah-Ann RC-Bergedorf, Franziska Bremerhavener Ruderverein
Ein Bericht von Sams
